schönes

7 tage, 7 sachen I heimat

27/03/2015

… die in diesem Fall als Momentaufnahmen die Heimat ausmachen. Ich war Zuhause. 7 Tage. Bei meinen Eltern. Und habe „mitgebracht“:

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1 // Ein quadratisches Ensemble bis Mitte der 1980er. Ein antik anmutendes Untergestell mit hellem Samtbezug. Ein Zweisitzer mit hochklappbarem Hinterteil in lila-schimmer-Optik. Ein anthrazit-auberginefarbenes Gespann mit Chaiselongue. Zwei sich gegenüberstehende schwarzweiss-Kissen-Zweisitzer. All diese Sofas haben das Wohnzimmer meiner Eltern bevölkert. Doch für alle war dann auch irgendwann die Zeit gekommen. Sie wurden entsorgt, abgegeben, verliehen, wie auch immer – auf jeden Fall durch das dann jeweils folgende ersetzt. Meist wurde der Entschluss zur Aufgabe des Sofas schon lange im Voraus mitgeteilt. Ich habe diesen dann immerzu bedauert, denn das Sofa bei meinen Eltern war auch jedes Mal ein Stück Heimat. Allein schon beispielsweise diese Gemütlichkeit an den Tagen rund um Weihnachten, wenn von dort aus bei Tee und mit Seitenblick auf den Baum das festtägliche TV-Programm verfolgt wurde. Und nun gibt es wieder ein neues Sofa. Doch diesmal verhält es sich was mich betrifft komplett anders. Am liebsten würde ich schon jetzt zur Wiederaufgabe raten. Ihr habt Euch vertan / das passt einfach nicht zum Rest / da findet ihr doch gar nicht beide gemeinsam ausgestreckt drauf Platz / also mal ehrlich, die Farbe! Doch so sehr ich mich auch ins Zeug legen würde, meine dem Eigennutz geschuldeten Aussagen wären sicherlich zu leicht zu durchschauen. Diesmal würde ich mich als Abnehmerin mehr als aufdrängen. Ja, es ist wundervoll! Das Sofa. Samt der darauf platzierten Kissen. Samt der darüber platzierten Bilder. Samt des Teppichs davor. Samt der seitlich drapierten Decke. Und so bleibt das Sofa sicherlich noch lange dort, wo es nun ist. Ein Grund mehr, schon ganz bald wieder in die Heimat aufzubrechen. Und nichts mit „alte Freunde treffen“ – auf dem Sofa abhängen lautet dann die Devise!

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2 // Ja – ‚Heimat‘. Ich wohne in Hamburg. Seit mittlerweile über 10 Jahren. Hier sind mein Mann und meine Tochter. Hier ist unser Zuhause. Doch die wahre Heimat liegt in Bielefeld, in diesem Fall symbolisch präsentiert durch die 0521 (-Ortsvorwahl). Ich kann lediglich zwei Festnetznummern von Freundinnen in Hamburg auswendig, doch erinnere mich immer noch an sämtliche meiner damaligen MitschülerInnen. Auch das ein Stück Heimat. Genau wie der Geruch in der U-Bahn-Station „Jahnplatz“, wenn die Türen der Waggons aufgehen. Wie der besondere Weg zum Stadion. Ich war schon in so vielen Fußballstadien, doch dieser Weg bleibt immer etwas besonderes, auch wenn ‚die Alm‘ mittlerweile andere achitektonische Ausmaße angenommen hat. Oder die Geräuschkulisse an Sonntagen, die über der Stadt liegt. Eine durch leichte urbane Geräusche durchzogene Ruhe, keinesfalls mit den stetigen Lauten einer Großstadt wie Hamburg vergleichbar. Wo soll ich anfangen. Wo soll ich aufhören. So viele Beispiele, die in diesem Fall auch ihren Teil ‚Heimat‘ ausmachen.

3 // Nicht Hachiko und nicht Lassie. Aber mindestens genau so besonders ist unser Hund Humphrey. Als Wachhund untauglich, als Familienhund unvergleichlich. Das hat er einmal mehr bewiesen. Ich war aufgeregt. Humphrey traf zum ersten Mal auf ein Baby, Emma Luise zum ersten Mal auf die Spezies Hund. Die Aufregung war überflüssig. Während Emma seine Anwesenheit nicht merklich realisierte, beschnupperte Humphrey sie an den Füßen und schlich sich das ein oder andere Mal zart an uns heran, um dann aber doch für das ganze Wochenende komplett zurückhaltend dem Zirkus rund um das Baby Platz zu machen. Ok ich gebe zu, diesmal sind mir rein zufällig ein paar Brotstücke mehr als sonst unter den Tisch gefallen.

4 // Ach, Erika! Noch blühte nicht all zuviel in den Gärten. Eine Woche später sieht es jetzt bestimmt schon ganz anders aus. Platzhalter war zunächst jedoch die Erika, vollkommen zu unrecht unterschätzt und als Friedhofsblume abgestempelt, wie das Muster(mann)-Foto eindeutig belegt.

5 // Welch wundervolle Rasselbande! Katzen, Matroschkas, Bären, Löwen. Noch bewohnen sie das Regal in dem einzigartigen Kindergeschäft Kleine Liebe, doch eine hat es schon zu uns an den Kinderwagen geschafft und tourt nun mit an Alster und Elbe.

6 // Früher hießen Läden für Papierwarenliebhaber schlichtweg „Schreibwarenladen“. Und alles andere gab es bei Karstadt. So auch in meiner Heimat. Abseits von Tintenkiller, Klarsichthüllen und Radiergummi gab es schon immer den einen Laden für den besonderen Anlass. Dort führten sie seit jeher Füller mit Gravur, besondere Briefpapier-Sets und schöne Ringordner weit entfernt derer mit graumeliertem Rücken. Und seit einiger Zeit nun hat sich ein neues Geschäft dazugesellt. Mein absoluter Lieblingsladen. In Bielefeld, aber auch darüber hinaus. BREVI MANU ist ein besonderes Fachgeschäft für Schreibtisch- und Papierkultur. In dem wundervoll gestalteten Laden reihen sich internationale Marken aus den Bereichen Stationary & Lifestyle aneinander. Einzigartig dargeboten. Kalligraphisches neben Geometrischem. Handgeschöpfte Papiere Seite an Seite mit post its, Blöcken und andersartig zu beschreibenden Utensilien. Auch diesmal musste ich etwas mitnehmen. Eine kleine Ausbeute an Postkarten. Darunter mein derzeitiger eindeutiger Favorit, die Karte ‚what’s up?‘ des wunderbaren Labels Fugu Fugu Press. Mal wieder viel zu schön zum benutzen, und so wird sie eingerahmt erstmal einen besonderen Platz bei uns an der Wand erhalten.

7 // Das Schöne am nach Hause kommen? Man darf wieder Kind sein. Ich nehme die Stufen hoch in die obere Etage mit dem gleichen Schwung wie damals. Ich blättere durch den Zeitschriftenstapel, der seit jeher an gleicher Stelle liegt. Ich wärme mich auf der langgezogenen Heizung am Fenster und rufe laut „ich bin’s“, wenn ich die Haustür aufschließe. Und hinzu kommt – man kann sich bekochen lassen. Seit ich 1997 ausgezogen bin, heisst es immer mal wieder – wenn Du das nächste Mal kommst, kannst Du ja mal für uns kochen. Und dann verhält es sich doch wieder anders. Warum auch? Ich liebe die Küche und die Kochkunst meiner Mutter und manche Gerichte gibt es nur dort und die schmecken auch nur dort wie sie nun mal schmecken. Zum Beispiel ein Familiengericht zusammengesetzt aus Hackfleisch, Möhren und Mungobohnen. In Brühe und Sahne gezogen, angerichtet an Kartoffeln oder griechischen Reisnudeln. Ich habe dieses Gericht schon so häufig nachgekocht, doch es will einfach nicht so schmecken wie Zuhause. Das ist wie mit den Kartoffeln. Niemals mehr wird eine Kartoffel – ob frisch gekocht oder kalt gestellt vom Vortag – den gleichen tollen Geschmack haben wie bei meiner Oma. Keine Linda, keine Sieglinde und kein Bamberger Hörnla. Und seit letzter Woche reiht sich ein weiteres Gericht in diese Sammlung. Ein ganz besonderes Gulasch. Mehr dazu schon bald hier auf dem Blog, doch zunächst einmal heißt es eindeutig „kiss the cook“ – dieser Kuss gilt nur Dir liebe Mama!

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