woanders

ostseeromanze

21/09/2017

Als ich einmal zwei Jahre nicht in Hamburg wohnte, beschwor ich sehnsüchtig dessen Nähe zum Meer. Dabei hatten wir es bis auf ganz wenige Ausnahmen in ganz vielen Jahren nie wirklich dorthin geschafft. Das alles ist zum Glück längst Vergangenheit. Die Zeit woanders. Und auch die versäumten kleinen Fluchten. Dieses Jahr haben wir es bereits mehrfach geschafft. An die Nord- und Ostsee. Nach Sankt Peter Ording. Strandtechnisch ungeschlagen auf Platz 1. Diese Weite und dieses Licht, je nach Tageszeit und Wetterlage. Und nach Timmendorf mit der rausgeputzten Fußgängerzone und Niendorf, das nur einige wenige Kilometer entfernt liegt und wie eine Miniaturversion von Ersterem wirkt. Hier sind die Autos kleiner, die Strandbesucher wenig betuchter und betagter. Irgendwie ist es hier authentischer. Das ist es, was ich generell an den einschlägigen Badeorten der Ostsee so mag. Stil und Boheme sucht man hier vergebens. Dafür bekommt man Supermärkte, die einen Eigengeruch nach Barfüssen auf nassem Steinboden verströmen. Und Souvenirshops mit vergilbter Auslage, die auch für die nächste Generation von Ulrikes und Sabines weiterhin blau-weisse Keramiktassen bereithalten. Statt Detox gibt es Ostfriesenmischung. Statt Dedon gestreifte Strandkörbe.

So auch in dem neuesten Hot Spot auf unserer Liste. Pelzerhaken. Noch so eine Perle. Auch hier eine Promenade, wo die Pizzeria neben der Minigolfanlage, die DLRG neben den öffentlichen Toiletten residiert. Und doch gibt es ausgerechnet hier einen Grund, dass wir schon bald zurückkehren werden. Ein Hotel. Das ‚Strandkind‚, erst im Juni diesen Jahres eröffnet und noch letztes Baustellen-Ambiente bereithaltend. Doch ungeachtet dessen ist das Strandkind perfekt. Für 1-2 Nächte. Für Familien. Alles wartet darauf, bespielt zu werden. Die Zimmer, die öffentlichen Bereiche. Schaukeln im Garten, in Beton gegossene Sandkästen in Bootsform. Zwei Schlechtwetter-Spielzimmer, ein Unterhaltungsregal im Restaurantbereich. Und doch ist das alles so unaufdringlich, dass auch wir Erwachsenen auf unsere Kosten kamen. In Holz gefasste Honigwaben statt pulveriges Rührei zum Frühstück, perfekt gedünsteter Fisch statt verwelkte Miniwürstchen zum Abendessen. Und dazwischen selbst gebackener Kuchen auf der Sonnenterrasse und stets kostenfrei bereit stehendes Wasser und Erfrischungsschorle für zwischendurch. Wer hier wohnt ist mehr als willkommen. Das Konzept zieht sich von der Ab- bis zur Abreise. Es herrscht ein freundliches Miteinander und Durcheinander. Das Ganze gespickt mit der Betonung auf Nachhaltigkeit und durchzogen von unaufdringlicher Hilfsbereitschaft.

Ostsee, wir kommen wieder!

 

 

 

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